
Vorwort
Liebe
Segelflugfreunde:
Wir heissen Sie
bei dem Aero Club Valle d'Aosta willkommen und haben versucht, in vorliegender
Broschüre all jene Informationen zusammenzufassen, die Ihnen dienlich sein
könnten.
Wir dürfen Sie
bitten, die Broschüre aufmerksam zu lesen, denn hier sind die Informationen
zusammengefasst, die es Ihnen ermöglichen werden, in Sicherheit den Segelflug
geniessen zu können.
Wir wünschen
Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Aosta und vor allem gutes Flugwetter und
schöne Flüge.
Aero
Club Valle d'Aosta
AERO CLUB VALLE D‘AOSTA
:President: Matteo SANTIN (president@aecaosta.it)
Segelfluglehrer Carlo GRINZA,und Mauro LORENZONI
Techniker Eugenio BARREL und
Nicola DI TRIA
Sekretärinnen Henrica KÜSTERS und
Manuela CHINCHERE
"Das
Sekretariat is geöffnet von 8.30 bis 12.30 und 14.00 bis 18.00
Briefing
morgens um 10.00 im Briefingraum neben dem Sekretariat"
Der Aero
Club besitzt
MOTORFLUGZEUGE
SEGELFLUGZEUGE
·
1 TWIN ASTI R
Flugplatz "CORRADO GEX" - LIMW
Länge der
Rollbahn: 1200 m Asphalt
Auslegung der
Rollbahn: 09-27
Funkfrequenzen:
Aosta Radio (TBT) - 119.95 Mhz Bord-Bord 122.8 Mhz
Aufbau
und Organisation der Segelflugwochen für Ausländer.
1.
Buchung, Ammeldung und Flugbetrieb. Die Anmeldegebühr
wird erst nach erfolgreich durchgeführtem Checkflug fällig.
Segelflug
im Gebirge
Die
Verwendung von Sauerstoff
Die Abnahme des
Sauerstoff-Partialdrucks in großen Höhen führt dazu, daß die
Sauerstoffversorgung des menschlichen Organismus ungenügend wird und die
Symptome des Sauerstoffmangels (Hypoxie) auftreten, da insbesondere das Gehirn
einen hohen Sauerstoffbedarf hat.
Der gesunde
menschliche Organismus toleriert Höhen bis zu 3300 m.
In grösseren
Höhen stellt sich der Organismus in Form verstärkter Atmungstätigkeit und
beschleunigter Herztätigkeit - bis zu einem gewissen Grad - auf die verminderte
Sauerstoffversorgung ein. Dies ist jedoch beim Flieger meist nicht der Fall, da
er in relativ kurzer Zeit auf grosse Höhen aufsteigt: Atemnot, Herzklopfen
treten auf, von Schwindelgefühl und Uebelkeit gefolgt.
Zu bemerken
ist, daß kein Erstickungsgefühl auftritt; die am häufigsten auftretenden
Symptome sind: Wärmegefühl im Körper, Kribbeln in den Händen, Müdigkeit,
Gleichgültigkeit und nachlassendes Denkvermögen und - mitunter - Euphorie
(Höhenrausch), auch Sehstörungen können festgestellt werden.
Und schließlich
verliert der Pilot das Bewusstsein.
Es ist daher
notwendig, dass ein Pilot, der über 4000 m MSL steigt, ein Sauerstoffgerät an
Bord hat, das unter allen Umständen, vor dem Start genau zu überprüfen ist.
Der Aero Club
ist in der Lage, chemisch reinen Sauerstoff jederzeit zu liefern.
Der
Wellenflug
Aosta ist ganz
besonders für die dort relativ häufig autretende Wellenbildung berühmt, die es
ermöglicht, in grosse Höhen zu steigen. Der Rekord in Aosta liegt knapp über
11.000 m QNH.
Die Welle
entsteht, wenn - unter gewissen Voraussetzungen - starke Winde gegen ein
Hindernis (in diesem Fall der Alpenkamm) stoßen und dadurch in eine
wellenförmige Bewegung versetzt werden.
In Aosta tritt
die Welle sowohl bei Nord, als auch bei Nordwestwinden auf.
Die
meteorologischen Voraussetzungen für die Welle in Aosta sind meist ein Hoch
über der Biskaya und ein Tief, das über Nordeutschland (Nord-Westwelle) oder
der Adria (Nordwelle) liegen kann.
Um in die Welle
'einsteigen' zu können bedient man sich meist entweder der Hangaufwinde oder
der turbulenten Aufwinde des Rotors.
Aeußeres
Kennzeichen der Welle ist die linsenförmige Lentikulariswolke, die die Welle
anzeigt; die Rotorwolke ist nicht immer sichtbar und es ist möglich, daß bei
Wellenbildung am Flugplatz Windstille herrscht.
Ueber das
Verhalten des Piloten, um in die Welle zu kommen, wird auf dieAusführungen
Todennahes Fliegen im Hochgebirge' und 'Verhalten am Rotor' hingewiesen.
Höhenfehler
des Variometers.
Während Dosen -
und Stauscheiben - Variometer keine Höhenfehler anzeigen, ist dies bei
masse-messenden Varios der Fall.
Fast alle
E-Varios messen über den Umweg der Kühlwirkung des Luftstorms. Da dünne Luft
schlechter kühlt, wird die Vario-Anzeige im Verhältnis zur Luftdichte
verfälscht.
Zum Beispiel:
in 6000 m. Höhe ist das tatsächliche Steigen beispielsweise 2 m/sec und das
Stauscheibenvario zeigt dieses Steigen auch an, wohingegen das EVariometer nur
1 m/sec anzeigt.
Fehler
des Höhenmessers
Die Eichung des
Höhenmessers geht von der Standard-Atmosphäre aus, die durch die barometrische
Höhenformel beschrieben wird.
Kältere Luft
ist dichter, somit schwerer als warme - die Druckabnahme mit der Höhe ist
grösser - der Höhenmesser zeigt zu viel Höhe an.
In kalter Luft
zeigt der Höhenmesser zu viel Höhe an.
Eine Faustregel
lautet: Pro l' Abweichung von der Standard-Atmosphäre nach unten sind 40/oo von
der Höhenmesseranzeige zu subtrahieren.
Ebenso zeichnet
der Barograph den gleichen Fehler auf. Die Auswertung des Barogramms wird daher
nach der Eichkurve vorgenommen.
Es darf nie vergessen
werden, daß für das Ueberfliegen von Hindernissen und für die Berechnung der
Reichweite aus einer Flughöhe die wirkliche Flughöhe maßgebend ist.
Höhenfehler
des Fahrtmessers
Bei allen
Fahrtmesser-Systemen (Staurohr oder Venturi) besteht eine Abhängigkeit der
Fahrtmesseranzeige von der Luftdichte. .
Nimmt die
Luftdichte ab, so zeigt der Fahrtmesser zu niedrige Werte an.
Die Merkregel
lautet: je 1000 m Flughöhe sind zur Fahrtmesseranzeige 6% zuzuschlagen.
Beispiel: In
6000 m Flughöhe zeigt der Fahrtmesser 100 km/h an, wohingegen die effektive
Geschwindigkeit ca 140 km/h beträgt.
Um den gleichen
Auftrieb zu erzeugen, muß man in grösseren Höhen entsprechend schneller
fliegen. Fahrtmesserfehlanzeige und zusätzlicher Geschwindigkeitsbedarf
entsprechen einander genau; man muß also entsprechend der Anzeige des
Fahrtmessers fliegen.
Um
navigatorisch richtig zu fliegen, ist es wichtig, die Fehlanzeige zu kennen.
Beispiel: Der
Wind in der Höhe bläst effektiv mit 100 km/h - in 6000 m Höhe muß man daher, um
in der Welle zu bleiben, mit einer Fahrtmesseranzeige von 75 km/h fliegen.
Verhalten
in besonderen Fällen bei Flügen im Gebirge.
Verlust der
Bodensicht.
Es ist selten,
daß es in Aosta 'zuzieht' aber es kann vorkommen. Ständige Beobachtung der
Wolkenbildung unter Ihnen ist ratsam Grundregel: Allerspätestens in der
vorletzten Föhnlücke absteigen. Anweisung über Funk zum Abstieg ist unbedingt
zu befolgen, auch wenn Sie glauben, daß es in Ihrer Höhe noch gut aussieht.
Bei Verlust
der Bodensicht: Notabstieg sofort einleiten.
a.
über die letzte Föhnlücke absteigen;
Funkkontakt:
Notmeldung
durchgeben und in Funkkontakt bleiben, bis Erdsicht kommt;
Sauerstoffversorgung
gestört;
Die Anzeichen
für Sauerstoffmangel sind manchmal schwer zu erkennen und individuell
verschieden. Beobachten Sie sich immer argwöhnisch.
Bei
Sauerstoffmangel sofort Notabstieg einleiten.
Bleiben Sie
ruhig, auch wenn Bewußtseinstörungen und Sehstörungen auftreten unter 4000 m
Höhe verschwinden diese Symptome wieder.
Gegebenenfalls
meiden Sie Ihre Schwierigkeit über Funk.
Funk-Ausfall: In der Kälte erschöpft
sich die Batterie sehr schnell, daher: sparsam funken.
Wenn Sie die
Funkverbindung mit dem Boden verlieren und auch mit anderen Piloten keine
Bord-Bord-Verbindung haben, ist es ratsam, abzusteigen.
Starker
Höhenwind:
Die Stärke des
Höhenwindes wird, insbesondere, wenn keine Turbulenz auftritt, leicht
unterschätzt; Windgeschwindigkeiten von 100 bis über 150 km/h sind nicht
seiten. Plötzliche Windzunahme in der Höhe ist nicht leicht erkennbar. Zu
langsam zu fliegen, bedeutet in die Abwindgebiete zu kommen.
Versuchen Sie
unter allen Umständen, das Aosta-Tal zu erreichen, denn im Gebiet südlich und
südwestlich von Aosta können Sie nirgends landen.
Bei sehr hohen
Windgeschwindigkeiten muß so schnell geflogen werden, daß unter umständen das
Steigen weggedrückt wird.
Bodennahes
Fliegen im Gebirge
An
sonnenbeschienen Hängen (optimal bei 30-60' Neigung) entwickelt sich auch im
Winter Thermik. Da sie in bodennahen Schichten am besten ist, muß bodennah und
möglichst geradeaus geflogen werden. Kurven werden in diesen Fällen immer vom
Hang weg geflogen. Kreisen ist nur dann sinnvoll, wenn sich die Thermik an
breisskanten vom Hang löst.
Odennahes
Fliegen ist nicht ungefährlich und folgende Regeln sind daher unbedingt
beachten:
Fahrt ist
wichtig! Niemals mit der Geschwindigkeit des geringsten Sinkens, sondern mit
10-15 km/h mehr fliegen. Fahrtmesser nicht aus dem Auge verlieren.
Horizontfliegen ist ein im Gebirge ungutes System!
Auf Hindernisse
immer achten. Hochspannungsleitungen, Seilbahnen und andere Hindernisse, vor
allem bei Fliegen gegen die Sonne nicht vergessen. Unbekannte Hänge erst in
einer gewissen Distanz abfliegen und erst dann näher anfliegen.
Am Hang immer
vom Hang weg kreisen. Ueberfliegen eines Bergkammes:
a.
Steigt der Berg im Anflug vor dem Hintergrund: zu tief!
Für einen
'Flucht-Abschwung' bei plötzlichem Fallen, unerwarteten Hindernissen usw.:
immer genügend Höhe halten! Grundsätzllich: Immer so fliegen, daß man den Hang
mit einem Gleitwinkel von 1:2=30' verlassen kann.
Hangneigungen
von weniger als 30' sind zu meiden. Vorsicht beim Hinterfliegen von Hangstufen.
Leewirkung.
Grate und
Hangkanten immer in einem spitzen Winkel anfliegen, um nötigenfalls sicher
abdrehen zu können.
Verhalten am
Rotor
Der Rotor liegt
unter der Welle, ist aber nicht immer durch die zerfetzten RotorWolken zu
erkennen. Rotorwolken lösen sich oft auf, bilden sich jedoch an der gleichen
Stelle wieder.
Schon während
des Schlepps können Rotorzonen festgestellt werden: Vario beobachten.
Rotor-Wolken
haben oft kleine Spitzen gegen den Wind: Maschine vor den Spitzen in den Wind
stellen.
Immer vor der
Rotor-Wolke bleiben und Kreisen nur dann, wenn dies ohne große Versetzung
möglich und die Steigzone breit genug ist.
Verhalten
in der Welle
Die Welle ist
erreicht, wenn die in den Rotoren häufige Turbulenz aufhört.
Bei einer
schwachen Welle ist Kreisen oder Achter-Fliegen oft sinnvoll; hintere Kurve
eng, vordere weit.
Positionsorientierung
im unteren Bereich nach Rotorwolke und oder Visierlinien. Im oberen Bereich
nach Visierlinien und Kompasskurs; die Visierpunkte sind weit
auseinanderliegend zu wählen.
Bei
Lentikularisbildung vor der Luvseite_der Wolke bleiben.
Mit zunehmender
Höhe Position etwas nach vorne verlagern.
-
Bei plötzlichem starken Sinken mit hoher Geschwindigkeit
gegen den Wind bis zum besten Steigen vorfliegen. Meist ist das plötzliche
Fallen darauf zurückzuführen, dass man zurückversetzt und in den Abwind geraten
ist.
-
Notlandung
irn Hochgebirge
Grundregel:
Alle Flüge im Hochgebirge müsssen derart ausgelegt werden, daß der sichere
Talgrund immer erreicht werden kann, denn jede Aussenlandung ist eine
Notlandung. Bruch-und Verletzungsgefahr sind groß.
Kommt ein Pilot
durch taktische Fehler in eine ausweglose Lage, so darf er mit dem
Landeentschluß nicht lange zögern, denn mit jedem Meter Höhe, der verloren
wird, verringern sich die Chancen für eine gute Notlandung.
- Immer
gerüstet sein: Der große Feind ist die Kälte und es ist daher notwendig, sich
bei jedem Flug sehr warm anzuziehen: Anorak, Mütze, Handschuhe, warme Stiefel
und warme Hosen gehören zur Ausrüstung jedes Piloten.
·
Landefeldwahl:
a.
so tief wie irgend möglich landen, weil die Gefahr der
Kälte verringert wird;
·
Landung:
a.
Gurte gut anziehen;
·
Nach der Landung:
a.
RUHE BEWAHREN. Es besteht Schockgefahr. Gurte lösen, aber
niemals in hektische Aktivitäten verfallen. Eventuelle Verletzungen versorgen.
WACH
BLEIBEN!
Kälteschutz
erst verlassen, wenn Suchmaschine zu hören ist.
Spätestens nach
Einbruch der Dunkelheit werden Sie vermißt. Die Suche beginnt dann in der
Morgendämmerung des folgenden Tages. Bei Wetterverschlechterung müssen Sie
unter Umständen mehrere Tage warten. Bei vernünftigem Verhalten besteht immer
Rettungsmöglichkeit.